Das Weltbild der Großen Mutter

Eine Zeit vor unserer Zeit

2. Die Steinzeit - Historischer Abriss

Diese Texte befassen sich mit weit zurückliegenden historische Ereignissen in der Steinzeit. Aus diesem Grunde halte ich es für sinnvoll, im Zeitraffer einen kurzen Überblick über die hierfür bedeutsamen Geschehnisse zu geben.

40.000 – 15.000 v. u. Z.
Relevant für unsere Betrachtung ist zum einen die altsteinzeitlichen Phase ab ca. 40.000 v u. Z. bis 15.000 v. u. Z. Aus dieser Epoche stammen die steinzeitlichen Höhlenmalereien sowie die Tierplastiken und die mütterlichen Frauenfiguren, welche die Große Mutter darstellen. Der Schauplatz erstreckt sich von Westeuropa bis zum Ural. In diesem Gebiet liegen die Fundorte der genannten altsteinzeitlichen Artefakte, deren Bedeutung auf dem Hintergrund des Totemismus erklärt werden soll.

 Venus vom Hohle Fels, vor 40.000 Jahren

Tier-menschliche Löwenmutter, vor 32.000 Jahren -

Venus von Berlin, vor 34.000 Jahren


12.000 v. u. Z.
Ein weiterer Markierungspunkt  ist das Ende der Eiszeit gegen 12.000 v.u.Z. Ab da konzentrieren sich wichtige menschheitsgeschichtliche Entwicklungen auf Ostanatolien und die Schwarzmeerregion. In Ostanatolien, im heutigen Grenzgebiet von Türkei, Syrien und Irak, ist es erstmals zum Anbau von Getreide gekommen. 


Venus von Nebra, 13.000 v. u. Z. 



9.000 v.u.Z.
Ein Beleg für die dort beginnende Sesshaftwerdung sind die Kultbauten von Göbekli Tepe in Ostanatolien beginnend um 9.000 v. u. Z. Ein weiteres Beispiel für die sich nun ausbreitende Sesshaftigkeit ist die jungsteinzeitliche Siedlung Çatal Hüyük in der Hochebene von Zentralanatolien aus der Zeit von 7.500 bis 5.700 v. u. Z. Auch die Bedeutung dieser Stätten soll auf dem Hintergrund des Totemismus verständlich gemacht werden.

Nachbildung einer jungsteinzeitlichen Siedlung in Khirokitia, Zypern,
7. 000 v. u. Z.

Papyrus-Schiff 9.000 v. u. Z. 



5.500 v. u. Z.
Als einen weiteren Kristallisationspunkt betrachte ich eine Naturkatastrophe in der Jungsteinzeit. Es handelte sich um eine große Flut um 5.500 v. u. Z., die auch in der Bibel als Sintflut (=große Flut) beschrieben wird. Große Teile der Schwarzmeerküste und Teile der Mittelmeerküste waren davon betroffen. Sehr wahrscheinlich hatte die Katastrophe zu massiven Fluchtbewegungen geführt.

Eine meiner zentralen Thesen ist die, dass es, bedingt durch diese Flutkatastrophe bei den Überlebenden zu zwei unterschiedlichen Entwicklungen gekommen ist. Die meisten Gruppen haben aller Wahrscheinlichkeit nach trotz der Katastrophe als egalitär-matriarchale Gruppen weiterbestehen können. Sie haben die uralten menschlichen Werte aufrechterhalten und weiterhin friedlich und solidarisch zusammen gelebt. Da der soziale Zusammenhalt intakt geblieben war, konnten physische und psychische Traumata einzelner Gruppenmitglieder von der Gruppe aufgefangen werden. Daneben gab es eine vermutlich relativ kleine Gruppe, bei der erstmals eine hierarchisch-patriarchale Gruppenstruktur durchgesetzt werden konnte. Bedingt durch die Flutkatastrophe und die damit verbundenen Traumatisierungen, war es in dieser Gruppe zu destruktiven Entwicklungen gekommen.  Einzelne Mitglieder hatten Macht über die gesamte Gruppe erlangen und die Gruppe zum Gehorsam ihnen gegenüber zwingen können. Die destruktive Entwicklung veränderte nachhaltig ihre gesellschaftlichen Organisation und ihre religiösen Anschauungen.

Nährende Göttin 6.000 v. u. Z.

Schlangengöttin 5.000 v. u. Z.


5.000 v. u. Z.

Die Flucht vieler egalitär-matriarchalen Gruppen aus dem Katastrophengebiet am Schwarzen Meer könnte die Erklärung dafür sein, dass um 5.000 v. u. Z. an verschiedensten Orten neue Kulturen scheinbar >aus dem Nichts< aufgetaucht sind. Diese neuen Kulturen finden sich in Südost- und Mitteleuropa, im Nahen Osten und an der Küste Nordafrikas. Vermutlich sind aus diesen Kulturen auch die jungsteinzeitlichen Megalithkulturen hervorgegangen, die um ca. 3.500 v. u. Z. auch die britischen Inseln erreichten.

Wie sich anhand der archäologischen Funde der nun weit verstreuten jungsteinzeitlichen Kulturen nachweisen lässt, waren es friedliche Kulturen mit einer hohen keramischen Kunstfertigkeit und einem ausgeprägten Schönheitssinn. Ihre Kultbauten, die die Höhlen der Altsteinzeit imitiert haben, ihre Malereien und Plastiken, die weiterhin die Große Mutter, die heiligen Tiere und den heiligen Baum darstellten, lassen den Rückschluss zu, dass sie auch nach der Sesshaftwerdung die altsteinzeitliche Religion des Totemismus beibehalten haben. Auch ihre enge Beziehung zu den Ahnen, die sie ganz nah bei sich haben wollten und deren Skelette sie  häufig unter dem Fußboden im Haus aufbewahrt haben, sowie die Hinweise auf vielfältige Ahnenkulte, sprechen für das Fortbestehen des Totemismus.

Die einzelnen Fundarten bestärken sich gegenseitig in ihrer Aussage der Friedfertigkeit. Abgesehen von den totemistischen Motiven (die Große Mutter, die heiligen Tiere, der Lebensbaum), lassen auch die Siedlungsformen sowie deren Lage Rückschlüsse auf die Friedfertigkeit ihrer Gruppen zu. Die Siedlungsformen dieser egalitär-matriarchaler Kulturen zeigen geringe Unterschiede in Form und Ausstattung ihrer Häuser. Ihre Siedlungsweise ist asymmetrisch, teilweise Pueblo artig wie z. B. auch schon vor der Flutkatastrophe in Çatal Hüyük. Auf den Wandmalereien und auf den Reliefs wurden kultische Motive dargestellt, wie die gebärende und nährende große Mutter, das Erscheinen der Ahnen. Unter den abstrakten Motiven dominierte das Spiralmuster als Symbol der Wiedergeburt.

Die in hierarchisch-patriarchalen Gesellschaften üblichen Darstellungen von Kampfszenen auf den Reliefs und Wandmalereien sind dort nicht zu finden. Auch die Bemalung der Keramikgefäße ist frei von kriegerischen Motiven. Die in hierarchisch-patriarchalen Gesellschaften anzutreffenden herausragenden Herrscherhäuser sind in egalitär-matriarchalen Siedlungen ebenfalls nicht vorzufinden. Es „fehlen“ auch zentrale Plätze und breite Prachtstraßen mit Siegestoren, die den Herrschenden für Paraden zur Demonstration ihrer Macht dienten, wie z. B. in Sumer und Ägypten. Die Siedlungen dieser egalitär-matriarchalen Gruppen lagen in den fruchtbaren Tälern der Flussläufe, wo die Menschen auch ihre Gärten und Äcker bewirtschafteten. Hierarchisch-patriarchale Siedlungen hingegen wurden aus Verteidigungsgründen auf Berghöhen erbaut und hatten Befestigungsmauern wie die Burgen.

Schließlich lassen auch noch die Bestattungsformen und die Grabbeigaben dieser egalitär-matriarchalen Gruppen Rückschlüsse auf ihre Friedfertigkeit zu. Das wichtigste Erkennungsmerkmal ist das „Fehlen“ von Kriegswaffen (Schwerter, Dolche, Streitäxte) als Grabbeigaben. Diese Kriegswaffen sind erst nach der Entstehung hierarchisch-patriarchalen Gruppen, also nach der Sintflut, als Grabbeigaben zu finden. In egalitär-matriarchalen Gesellschaften finden sich lediglich Jagdwaffen als Grabbeigaben. Ein weiteres Erkennungsmerkmal der egalitär-matriarchalen Gruppen sind die geringen Unterschiede in den Grabbeigaben. Im Gegensatz dazu sind in hierarchisch-patriarchalen Gesellschaften die Unterschiede in den Grabbeigaben groß.

Schließlich gibt es für egalitär-matriarchale Gruppen noch das Erkennungsmerkmal der Kollektivbestattungen in größere Bauten, wie z. B. in künstlichen Höhlen oder Hügelgräbern. Alle Toten einer Gruppe oder eines Ortes wurden in diesem Gebäude bestattet. In hierarchisch-patriarchalen Gruppen dagegen erfüllten größere Bauten den Zweck der  Einzelbestattung für den Herrscher, dessen Grabbeigaben richtige Schätze waren.

4.500 v. u. Z.

Ab 4.500 v. u. Z. haben  hierarchisch-patriarchale Gruppen in verschiedenen Invasions-Wellen Europa mit Raubüberfällen, Morden und Brandschatzen überzogen. Es waren die ersten hierarchisch-patriarchalen Horden und sie kamen aus der südrussischen Steppe nördlich des Schwarzen Meeres, weshalb ich in ihnen die erwähnte 2. Entwicklungslinie nach der großen Flut sehe, in deren Gruppe erstmals hierarchisch-patriarchale Gruppenstrukturen durchgesetzt wurden.  

Nach Marija Gimbutas sind es 3 Kurgan-Wellen gewesen, so genannt nach ihren Herrschergräbern (Kurgan), die sie bei ihren Invasionen in Europa hinterlassen haben.
4.500 v. u. Z - 4.300 v. u. Z. 1. Kurgan-Welle
3.500 v. u. Z. 2. Kurgan-Welle
3.000 v. u. Z. 3. Kurgan-Welle

Invasionen von hierarchisch-patriarchalen Gruppen gab es auch im Nahen-Osten und in Nordafrika. Schließlich wurden die egalitär-matriarchalen Gruppen von den Invasoren unterworfen. Diese aggressiven Eroberungen wiederholten sich zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten.
4.000 v. u. Z.: Ägypten, Untergang der Badari-Kultur
3.500 v. u. Z.: Südmesopotamien, Unterwerfung der El Obeid Kultur (5.500 -3.500 v.u.Z.)
2.500 v. u. Z.: Malta, Zerstörung der Tempel, 2.400 v. u. Z. erstmals Gräber mit Waffen als Grabbeigaben
2.500 v. u. Z.: Zypern, Untergang der jungsteinzeitlichen Siedlungen, erstmals Gräber mit Waffen als
2.400 v. u. Z. - 2.200 v. u. Z. Südengland, Stonehenge, erste Eroberer nachweisbar
                    (der Bogenschütze von Amesbury, Glockenbecherkultur)    
2.000 v. u. Z.: Indien, Zerstörung der Induskultur (2.800-1.800 v.u.Z) durch die Invasion der Arier.
1.490 v. u. Z.: Kreta, Zerstörung der minoischen Kultur durch die Invasion  der Mykener.
1.190 v. u. Z.: wird die Stadt Troja an den Dardanellen (Türkei) zerstört


Die schlafende Göttin aus dem
Hypogäum von Hal Saflieni, Malta,
3.300 - 3.000 v. u. Z.









24.01.16 Internet