Das Weltbild der Großen Mutter

Eine Zeit vor unserer Zeit

4. 1. Die Sintflut - Die Meeresgeologischen und vukanologischen Fakten


4. 1. 1. Die Sintflut – Das Abschmelzen der eiszeitlichen Gletscher

Die Meeresgeologen Walter Pitman und William Ryan kamen aufgrund ihrer Forschungen zu dem Ergebnis, dass es sich bei der biblischen Sintflut um eine der vielen Flutkatastrophen handelt, die sich nach der letzten Eiszeit ereignet haben. Die biblische Sintflut um 5.500 v. U Z. war die größte Naturkatastrophe in der Jungsteinzeit. Weltweit sind mehrere hundert Flutberichte überliefert. Die biblische Sintflut nimmt darunter aufgrund ihrer großen Bekanntheit eine Sonderstellung ein. Zudem dürften von dieser Sintflut besonders viele Menschen betroffen gewesen sein, da sie sich am Ort der ersten Sesshaftwerdung ereignete. Mit dem Ende der Eiszeit war es zu einer anhaltenden Klimaerwärmung gekommen, die zum Abschmelzen der riesigen Eiszeitgletscher geführt hat. Der Höhepunkt der Eischmelze dürfte um 15.000 v. u. Z. gewesen sein. Die Flüsse führten damals sehr viel mehr Wasser mit sich, was heute noch an den tief in die Landschaft eingegrabenen Flusstälern erkennbar ist. Als eine weitere Folge dieser Wassermassen hatten sich auch riesige Binnenseen gebildet (Schwarzes Meer, Kaspisches Meer, Aralsee). (Schoppe & Schoppe: Atlantis und die Sintflut, S14) Das Abschmelzen der Eisgletscher hatte außerdem ein weltweites Ansteigen der Wasserspiegel in den Weltmeeren zur Folge, was zu Überflutungen vieler Küstenregionen geführt hat. Während einer erneuten Warmzeit zwischen 5.800 und 5.510 v.u.Z. war es zu einem abermaligen Ansteigen der Weltmeere um 5 m gekommen, was vermutlich die Große Flut um 5.500 v. u. Z. ausgelöst hat. (Schoppe & Schoppe: Atlantis und die Sintflut, S.12).

4. 1. 2. Die Sintflut – Und andere Flutkatastrophen

Das damalige Ansteigen der Weltmeere hat sowohl am Schwarzen Meer als auch auch in der Nordsee und Ostsee zu größeren Naturkatastrophen geführt. Noch bis ca. 6.000 v.u.Z. hatte zwischen den britischen Inseln und dem europäischen Festland eine Landbrücke bestanden. (Schoppe & Schoppe: Atlantis und die Sintflut S24) Diese Landbrücke war eine Tiefebene, die mit dem Ansteigen der Meeresspiegel von der Nordsee überflutet wurde, wodurch der Ärmelkanal und die Straße von Dover entstanden sind. Auf dem Meeresgrund der Nordsee sind noch immer die ursprünglichen Flussläufe erkennbar, woraus bspw. auch ersichtlich wird, dass die Themse damals ein Nebenfluss des Rheins gewesen ist. Die Ostsee ist ebenso wie das Schwarze Meer ursprünglich ein abgeschlossener Süßwassersee gewesen. Beide waren durch die Gletscherschmelze entstanden und waren zunächst durch Landbrücken von den Weltmeeren abgetrennt. Während die Ostsee schon zwischen 8.000 -7.250 v. u. Z von den Weltmeeren geflutet wurde, ereignete sich eine vergleichbare Katastrophe am Schwarze Meer erst um 5.500 v. u. Z. Da wurde das Schwarze Meer vom Mittelmeer her mit Salzwasser überflutet. (Schoppe & Schoppe: Atlantis und die Sintflut: S.23) Diese parallelen erdgeschichtlichen Ereignisse sind auch heute noch an der Salzkonzentration in der Ostsee und im Schwarzen Meer ablesbar, die niedriger ist, als in den Weltmeeren. (1-2 % anstelle der sonst üblichen 3% im Weltmeer). (Schoppe & Schoppe: Atlantis und die Sintflut: S. 23)

4. 1. 3. Die Sintflut – Überflutung eines Süßwassersees

Pitman und Ryan kamen aufgrund ihrer meeresgeologischen Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass das Schwarze Meer vor der Großen Flut ein riesiger Süßwassersee gewesen sein muss, der durch eine Landbrücke am Bosporus vom Mittelmeer getrennt gewesen war. Dieser ursprüngliche Süßwassersee ist um 1/3 kleiner gewesen als das heutige Schwarze Meer. Bei ihren Tauchexpeditionen in den 90er Jahren konnten Pitman und Ryan feststellen, dass die ursprünglichen Mündungen der Flüsse Donau, Dnjestr, Bug, Dnjepr und Don sowie die Küstenlinie des früheren Süßwassersees am Meeresgrund noch erkennbar sind. Ihre Annahme von der Existenz eines ursprünglichen Süßwassersees, der mit Meereswasser überflutet wurde, konnten sie mit Tiefenbohrungen im Meeresboden erhärten. In den Bohrungsröhren ließen sich unterschiedliche Schichten erkennen, die sehr aufschlussreich für ihre Annahme gewesen sind. Ab einer Tiefe von 130 m fanden sie Ablagerungen von Organismen, die ausschließlich im Süßwasser vorkommen, insbesondere Süßwassermuscheln. In den darüber liegenden Schichten ließ sich ein abrupter Wechsel zu Ablagerungen von Salzwassermuscheln feststellen. Das Alter der letzten Schichten mit Süßwassermuscheln ließ sich ziemlich exakt mit 5.510 v. u. Z. bestimmen. Die abrupt auftretenden Ablagerungen von Salzwassermuscheln lassen sich nur durch das plötzliche Eindringen von Unmengen von Salzwasser aus dem Mittelmeer erklären, was auf eine Große Flut hinweist, die eine riesige Naturkatastrophe gewesen sein muss. Für diese Große Flut nennen sie einen Zeitrahmen, den ich der Einfachheit halber mit dem Zeitpunkt 5.500 v. u. Z. wiedergebe. (Schoppe & Schoppe: Atlantis und die Sintflut S12). (Näheres zur Zeitangabe s. u. 4. 2.)

4. 1. 4. Die Sintflut - Lokalisierung am Schwarzen Meer  

Nach dieser Expedition in den 90er Jahren, die den Nachweis einer Großen Flut am Schwarzen Meer erbracht hatte, sind Pitman und Ryan aufgrund der biblischen Ortsangaben zu der Überzeugung gekommen, dass diese Große Flut in der Jungsteinzeit identisch ist, mit der in der Bibel beschriebenen Sintflut. Anders als die historische Bibelforschung, lokalisieren sie also die Sintflut nicht in Südmesopotamien (heute Irak), sondern in Anatolien (heute Türkei) und am Schwarzen Meer. (s. a. 4. 2.) Diese Annahme von Pitman und Ryan ist auch insofern überzeugend, als sich dort, in Anatolien, nach der letzten Eiszeit die erste Sesshaftwerdung vollzogen hat. Die archäologischen Funde vermitteln das Bild, dass rund um das Schwarzen Meer eine jungsteinzeitliche Ackerbau- und Handelskultur mit einer hohen Bevölkerungszahl existiert hatte. Die Sintflut am Schwarzen Meer dürfte insofern eine Sonderstellung einnehmen, als diese verheerenden Naturkatastrophe weit mehr Menschen getroffen hat, als vergleichbare Naturkatastrophen in anderen Regionen. Dies dürfte auch einer der Gründe sein, weshalb die Sintflut über die Jahrtausende überliefert wurde.

4. 1. 5. Die Sintflut – Der Einbruch der Landbrücke am Bosporus

Pitman und Ryan nehmen an, dass vor der Sintflut am Bosporus eine Landbrücke bestanden hat, die Europa mit Kleinasien verbunden hatte. Das Schwarze Meer und das Mittelmeer (genauer: das Marmarameer) waren durch die Landbrücke getrennt. Die Wasserspiegel beider Meere haben vor der Sintflut eine große Differenz aufgewiesen. Der Süßwasserspiegel im Schwarzen Meer hat um 130 m tiefer gelegen als der Salzwasserspiegel im Mittelmeer. Anlässlich der Sintflut ist die zuvor noch bestehende Landbrücke am Bosporus eingestürzt. Aufgrund der Höhendifferenz von 130 m zwischen den beiden Gewässern dürfte es am Bosporus zu gigantischen Wasserfällen gekommen sein, die als 9-mal größer als die Niagarafälle geschätzt werden. Der Wasserspiegel im Schwarzen Meer ist vermutlich pro Tag zwischen 15 bis 35 cm gestiegen. Die Überflutung dürfte innerhalb eines Jahres ihren Endzustand erreicht haben, als sich die Wasserstände im Schwarzes Meer und Mittelmeer angeglichen hatten. (Schoppe & Schoppe: Atlantis und die Sintflut, S16-17) Das gesamte Schwarze Meer wurde dabei mit Salzwasser überflutet. Sämtliche Lebewesen im Schwarzen Meer sind durch das Salzwasser getötet worden. In der Folge kam es aufgrund der abgestorbenen Biomasse in den tieferen Lagen zu Methangasbildungen, die das Schwarze Meer für lange Zeit unschiffbar machten, da das Gas unvermittelt austreten und die Menschen töten konnte. (Vergl. dazu den Begriff ¨Meer des Todes¨ im Gilgamesch-Epos) Durch die Sintflut hat sich das Schwarze Meer nach Norden hin um 1/3 seiner Fläche vergrößert. Riesige Landflächen nördlich des ursprünglichen Süßwassersees sind für immer unter der Flut verschwunden. (Schoppe & Schoppe: Atlantis und die Sintflut, S112) Die Wasser stiegen, entgegen aller Erfahrung, immer weiter an, anstatt zurückzugehen, wie es bei einer normalen Schneeschmelze der Fall gewesen ist. Die Menschen hatten nicht nur ihre Anbauflächen für Getreide verloren, die für immer im Schwarzen Meer versunken waren, auch das Meer selbst war durch die Überflutung als Nahrungsquelle zerstört worden, da sämtliche Süßwassertiere im Schwarzen Meer durch das Salzwasser vernichtet worden sind. Die Folge davon dürften anhaltende Hungersnöte in der nördlichen Region gewesen sein.

4. 1. 6. Die Sintflut – Begleitet von Erdbeben und Zunamis

Aufgrund der erdgeschichtlichen Befunde (der Einbruch der Landbrücke am Bosporus) müssen wir uns die Sintflut noch dramatischer vorstellen, als sie im biblischen Sintflutbericht dargestellt wird. Während die Nordküste des Schwarzen Meeres und die dahinter liegende Tiefebene für immer überflutet wurde, dürfte die Südküste des Schwarzen Meeres und Anatolien vor allem von Erdbeben und gewitterartigem Regen heimgesucht worden sein. Für das Inferno am Bosporus, mit dem dramatischen Einbruch der Landbrücke zwischen dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer, finden sich in der Bibel keine Schilderungen, die dem entsprechen würden. In der biblischen Erzählung dominiert die Schilderung eines anhaltenden Regens, der als eine Ursache der Sintflut beschrieben wird. (s. a. 4-1-7) Doch die entscheidende Auslöser für das Einbrechen der Landbrücke am Bosporus und somit für die Sintflut dürfte ein Erdbeben gewesen sein. Aufgrund des Zusammentreffens zweier Kontinentalplatten ist die Region am Bosporus und in Anatolien seit jeher ein Erdbebengebiet, auch heute noch. Für das Auftreten eines Erdbebens sprechen auch die Erzählungen vom Turmbau zu Babel und von Sodom und Gomorrha (s. a. 4-3-9 + 4-3-10) Es ist zudem bekannt, dass Erdbeben im Meer enorme Tsunamis auslösen können. Folgendes Szenario ist wahrscheinlich. Die Tsunamis und der gestiegene Meerespiegel haben den Druck auf die Landbrücke enorm erhöht. Da es infolge des Erdbebens bereits zu Rissen in der Landbrücke gekommen war, konnte das Wasser einen Weg finden und den Zusammenbruch der Landbrücke herbeiführen und das Schwarze Meer durch Salzwasser aus dem Mittelmeer überschwemmt werden.

4. 1. 7 Die Sintflut – Eine dauerhafte Überschwemmung – Keine saisonale Erscheinung

Die vorherrschende Meinung in der historischen Bibelforschung sieht in der Sintflut eine jahreszeitlich wiederkehrende Überflutung der großen Flüsse Euphrat und Tigris. Wie ich schon dargelegt habe, weichen Pitman und Ryan in zwei Punkten von der Bibelforschung ab. Sie sehen in der Sintflut erstens eine nachhaltige Überflutung durch das weltweite Ansteigen der Meeresspiegel infolge der Gletscherschmelze und zweitens lokalisieren sie diese in der nördlichen Region des Schwarzen Meeres. (Schoppe & Schoppe: Atlantis und die Sintflut, S.9) Die Schilderungen in der Bibel legen eine vorübergehende jahreszeitlich bedingte Überschwemmung nahe, da sich das Wasser nach einiger Zeit wieder zurückgezogen haben soll. Doch das Zurückgehen der Flut dürfte eine Einfügung späterer Autoren gewesen sein, die nur jahreszeitliche Überschwemmungen gekannt haben. (Schoppe & Schoppe: Atlantis und die Sintflut, S.113) Interessant ist auch, dass die Bibel einen anhaltenden Regen als Ursache beschreibt, was unsere Vorstellung von der Sintflut geprägt hat. Der starke Regen während der Sintflut könnte ebenfalls durch die damalige Klimaerwärmung bedingt gewesen sein, da die wärmeren Luftmassen mehr Feuchtigkeit binden können. Zumindest ist das die Erklärung, die die Klimaforscher für die gegenwärtig weltweit zunehmenden starken Regenfälle geben. Im biblischen Sintflutbericht wird darüber hinaus ein seltsames Aufbrechen der „Brunnen der großen Tiefe“ geschildert. Zitat: „[…] an diesem Tag brachen alle Brunnen der großen Tiefe auf und taten sich die Fenster des Himmels auf und ein Regen kam auf Erden vierzig Tage und vierzig Nächte.“ (Bibel, 1. Buch Mose, 7, 11) […].„Und die Wasser wuchsen gewaltig auf Erden hundertundfünfzig Tage“. (Bibel, 1. Buch Mose, 7, 24) Bei der Beendigung der Sintflut werden dementsprechend auch beide Ursachen (Regen und Aufbrechen der Brunnen) auf Gottes Befehl hin behoben. Zitat: „Und die Brunnen der Tiefe wurden verstopft samt den Fenstern des Himmels, und dem Regen vom Himmel wurde gewehrt.“ (Bibel, 1. Buch Mose, 8, 2) Diese Beschreibung beinhaltet den interessanten Hinweis, dass die Flut „von unten“ gestiegen ist. (Schoppe & Schoppe: Atlantis und die Sintflut, S110) Wie bei allen Interpretationen, sind natürlich auch bei der Interpretation von Bibeltexten gewisse Schwierigkeiten mitzubedenken. Zum Einen haben wir es mit Übersetzungen zu tun, ursprüngliche Details können dadurch verloren gegangen sein. Zum Anderen sind die Texte in einem altertümlichen Deutsch geschrieben, Bedeutungsveränderungen einzelner Begriffe sind deshalb nicht auszuschließen. Der Begriff „Brunnen“ wurde bspw. in älteren Texten als ein Synonym für das Wort „Quelle“ verwendet. Auch bei dem Begriff „Tiefe“ dürfte sich im Laufe der Zeit eine Bedeutungsverengung vollzogen haben. Durch den Vergleich mit einer anderen Bibelstelle, dem 1. Schöpfungsbericht, ist die Schlussfolgerung möglich, dass der Begriff „Tiefe“ in den alten Texten auch im Sinne von Meer oder Urmeer verwendet worden ist. Zitat: „[…] und es war finster auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser“. (Bibel, 1. Buch Mose, 1, 2) Die Passage aus der Sintfluterzählung würde unserem heutigen Sprachverständnis wie folgt näher kommen: „[…] an diesem Tag brachen alle Quellen der Meere auf und taten sich die Fenster des Himmels auf und ein Regen kam auf Erden vierzig Tage und vierzig Nächte.“ (Bibel, 1. Buch Mose, 7, 11) . Mit dem Aufbrechen aller Quellen der Meere könnte das für die damaligen Menschen unbegreifliche Ansteigen der Meeresspiegel umschrieben sein. Dennoch steht die Beschreibung des Regens als Ursache der Sintflut in der Bibel im Vordergrund. Das ist insofern verständlich, als die eigentliche Ursache, das Abschmelzen der Gletscher, den Betroffenen am Schwarzen Meer der Beobachtung nicht zugänglich gewesen ist. Dieses ursächliche Ereignis, das Abschmelzen der Gletscher, konnte nur in Nordeuropa, tausende Kilometer entfernt, beobachtet werden.

4-1-8 – Der Ausbruch des Vulkan Nemrut am Vansee (Ost-Anatolien)

Der amerikanische Professor John H. Maxson unternahm in den 30iger Jahren geologische Untersuchungen am Vulkan Nemrut Dağhı am Vansee in Ost-Anatolien und kam zu dem Ergebnis, dass am Nemrut vor etlichen tausend Jahren ein Vulkanausbruch erfolgt ist, bei dem es zur Ausbildung eines Lava-Domes gekommen ist. Die Autoren Schmoeckel & Gadjimuradov legten sich auf einen Zeitpunkt von 6.500 v.u.Z. fest, wiesen aber darauf hin, dass sich die Wissenschaftler über den genauen Zeitpunkt des Ausbruches noch nicht haben einigen können. (Schmoeckel, Reinhard & Gadjimuradov, Ilham: Warum der Teufel nach Schwefel riecht S25 + 33) Aufgrund der vielen Hinweise im Zusammenhang mit der Sintflut gehe ich davon aus, dass dieser Vulkanausbruch zur Zeit der Sintflut um 5.500 v. u. Z. erfolgte. Maxson stellte anlässlich seines Forschungsaufenthaltes in Ost-Anatolien auch fest, das sich der Vulkanausbruch mit dem Lava-Dom im kulturellen Gedächtnis der Region erhalten hatte, „die im Großen und Ganzen mit der tatsächlichen Entstehungsgeschichte des Berges“ übereinstimmte. (Schmoeckel, Reinhard & Gadjimuradov, Ilham: Warum der Teufel nach Schwefel riecht S. 33)

29.12.2016